fremd, bestimmt
für 6 Vokalisten mit Mundlautsprechern
Ausgangspunkt der Komposition sind Texte verschiedener Autoren aus der Prinzhornsammlung, einer Sammlung von Texten und bildnerischen Arbeiten aus psychiatrischen Anstalten. Ich habe mich für Arbeiten von Carl Wenzel, Johann Georg Lupp, Helena Maisch, Hyacinth Freiherr von Wieser, Franz Karl Bühler und August Klett entschieden. Je länger ich mich mit den Texten beschäftigte desto größer wurde mein Unbehagen. Natürlich sind die Arbeiten sehr fein, sehr klug, sehr poetisch, auch sehr bedrückend aber für wen wurden sie gemacht? Wurde nicht schon durch die Veröffentlichung jeder Diskretionsabstand ignoriert? Kann man die Texte überhaupt nur annäherungsweise verstehen, wenn man die Urheber nicht persönlich kannte, im Alltag Erfahrungen mit ihrem Verständnis von Sprache und Kommunikation gemacht hatte? Natürlich führen diese Fragen zu grundsätzlichen Gedanken über Kommunikation: verstehe ich überhaupt irgendjemanden so wie er verstanden werden möchte. Die Antwort: wahrscheinlich nicht…
Dieser Gedanke machte mir meine Arbeit nicht leichter, dennoch glaube ich vorsichtig aus den Texten herauslesen zu können, dass es sich oft um Mitteilungen aus einer ungeheuren Einsamkeit heraus geschrieben, handelt. Von dieser Einsamkeit wissen die Autoren sicher mehr als wir. Ich ahne auch die Sehnsucht nach Veränderung, Hoffnung, sowie andererseits die komplette Zerstörtheit aller Zeichen die uns sonst zu einer wie auch immer gearteten Verständigung dienen.